Wir müssen miteinander ins Gespräch kommen.
Seit 1991 verleiht die Stadt Osnabrück alle zwei Jahre den nach Erich Maria Remarque benannten Friedenspreis. Den Sonderpreis erhalten in diesem Jahr Jouanna Hassoun und Shai Hoffmann für ihr Projekt „Trialoge“ – ein multiperspektivisches Gesprächsformat über den Nahostkonflikt, der am 7. Oktober mit dem Ausbruch des Krieges in Israel und Gaza einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Ziel des Projekts ist es, dieses emotional komplexe Thema im schulischen Raum sachlich und zugleich empathisch besprechbar zu machen.
In Zusammenarbeit mit dem Friedenszentrum Osnabrück hatten die Schüler*innen des 9. Jahrgangs der Erich-Maria-Remarque Schule das große Glück, an einem solchen Trialog teilnehmen zu dürfen. Am 2.12.25 sitzen sie im großen Kreis im Biologieraum zusammen. Die Stimmung ist angespannt, alle wissen, worum es geht. Der Nahostkonflikt ist schwer zu greifen – im Politikunterricht wurde er vorbereitet, doch Gefühle und persönliche Betroffenheit lassen sich im Unterricht nur begrenzt vermitteln. Genau dafür sind die Trialog-Paten Dana und Malik da.
Dana ist Jüdin; ihre Familie stammt aus dem Jemen und immigrierte in den 1950er Jahren nach Israel. Maliks Familie gehört der palästinensischen Minderheit in Israel an.
Auf die Frage, was die Schüler*innen mit „Israel–Palästina“ verbinden, fallen Worte wie Krieg, Leid und Schmerz. Obwohl niemand der Anwesenden persönlich betroffen ist, kennen sie die Bilder aus den Nachrichten und aus sozialen Medien.
„Mir tun die Kinder leid, die nach Essen schreien“, sagt Muhammed.
„Krieg betrifft uns alle – wir sind Menschen, und Krieg kann überall passieren“, ergänzt Mia.
Die Jugendlichen ringen darum, ihre Gefühle auszudrücken: Überforderung, weil sie nicht wissen, wie sie mit den Bildern umgehen sollen. Enttäuschung darüber, dass Menschen einander so viel Leid zufügen. Traurigkeit über verlorene Leben, aber auch Dankbarkeit darüber, selbst in Sicherheit zu sein. Viele berichten zudem von Verunsicherung, weil sie nicht wissen, welchen Quellen sie vertrauen können: Tagesschau oder TikTok? Zeitung oder Instagram? Wo findet man neutrale Informationen?
Dana und Malik empfehlen den Jugendlichen, sich umfassend zu informieren und nicht nur auf eine Quelle allein zu vertrauen.
Auf die Frage, ob sie glauben, dass der Krieg irgendwann endet, können Dana und Malik keine einfache Antwort geben. Beide hoffen jedoch, dass es eines Tages wieder Gespräche auf Augenhöhe geben könnte.
Zum Schluss resümieren die Schüler*innen nach fast neunzig Minuten intensiven Gesprächs. Besonders wertvoll sei gewesen, zwei persönliche Perspektiven – eine jüdische und eine palästinensische – unmittelbar erleben zu dürfen. Die Einblicke in die Lebensgeschichten von Dana und Malik haben dem abstrakten Konflikt ein Gesicht gegeben.
Vorurteile, Stereotype und Ausgrenzung gehören zu den wichtigsten Triebkräften des Konflikts – doch sie finden sich nicht nur im Nahen Osten. Auch unsere Schüler*innen begegnen solchen Mustern in ihrem Alltag. Der Trialog bot ihnen einen geschützten Raum, Fragen zu stellen, Gefühle auszudrücken und zu lernen, wie wichtig es ist, einander zuzuhören.
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